Kreuzlingerin Vera Reeh wurde mit weiteren ehemaligen und aktuellen Nationalspielern, wie Dirk Nowitzki, für ihre Verdienste um den Deutschen Basketball geehrt. zVg
23.09.2026 09:35
Von der Bundesliga nach Kreuzlingen und weiter in die Nationalmannschaft
Vera Reeh, geborene Seefeld, wurde im Rahmen der Frauen-Basketball-Weltmeisterschaft in Berlin für ihre Verdienste um den deutschen Basketball geehrt. Dass sie nach dem Ende ihrer Profikarriere noch einmal für Deutschland auflaufen und einen Europameistertitel feiern konnte, hat auch mit einer Kreuzlinger Basketballmannschaft zu tun.
Kreuzlingen/Berlin Vera Reeh kennt die grosse Basketballbühne. Die ehemalige Bundesligaspielerin spielte viele Jahre auf höchstem Niveau in Deutschland. Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere führte ihr Weg zunächst nach Zürich und später nach Kreuzlingen. Dort schien das Kapitel Leistungssport eigentlich abgeschlossen – bis 2023 eine Anfrage kam, mit der sie nicht mehr gerechnet hatte: Reeh sollte für die deutsche Ü40-Nationalmannschaft auflaufen.
Sie musste nicht lange überlegen. «Ich habe von Herzen Ja gesagt, weil ich sofort wieder richtig Lust hatte, dabei zu sein», erinnert sie sich. Doch mit der Zusage stellte sich eine ganz praktische Frage: Wo konnte sie in Kreuzlingen auf einem ausreichend hohen Niveau trainieren und sich auf die Europameisterschaft vorbereiten? Die Antwort fand sie bei beim STV Basket Kreuzlingen.
Eine Begegnung öffnet die Tür
Einige Zeit zuvor hatte Reeh am Kreuzlinger Spielstrassenfest Jan Fantl, Präsident des STV Basket Kreuzlingen, kennengelernt. Im Gespräch wurde schnell deutlich, wie klein die Basketballwelt ist: Es gab gemeinsame Bekannte, Erinnerungen an frühere Stationen – und natürlich die gemeinsame Leidenschaft für den Sport. Die beiden tauschten ihre Kontaktdaten aus. Was damals wie eine beiläufige Begegnung wirkte, sollte für Reeh später zu einem wichtigen Türöffner werden.
Als die Anfrage der Nationalmannschaft kam, wandte sie sich an Fantl und fragte, ob sie mit der ersten Herrenmannschaft des Vereins trainieren dürfe. Die Antwort war ebenso schnell wie unkompliziert: selbstverständlich. Ihr erstes Training ist Reeh bis heute in besonderer Erinnerung. «Jan war an diesem Abend selbst gar nicht da. Die Spieler kannten mich nicht und wussten zunächst überhaupt nicht, weshalb ich plötzlich in ihrer Halle stand. Aber nachdem ich kurz erklärt hatte, worum es ging, haben sie mich einfach aufgenommen. Das werde ich nie vergessen.» Für die frühere Bundesligaspielerin war diese Offenheit weit mehr als nur eine Trainingsmöglichkeit. In der Kreuzlinger Mannschaft fand sie ein Umfeld, in dem sie sich willkommen fühlte und Schritt für Schritt wieder an ihr früheres Leistungsniveau herantasten konnte. «Ich habe mich unglaublich gut aufgehoben gefühlt. Das Training hat mir ermöglicht, nach und nach wieder richtig fit zu werden. Dafür bin ich dem STV Basket Kreuzlingen und der ganzen Mannschaft sehr dankbar.»
Ehrung auf der grossen Bühne
Wie besonders dieser Weg war, zeigte sich nun in Berlin. Im Rahmen der Frauen-Basketball-Weltmeisterschaft wurde Reeh gemeinsam mit weiteren ehemaligen und aktuellen Nationalspielerinnen für ihre Verdienste um den deutschen Basketball geehrt. Mit dabei waren auch Basketballlegende Dirk Nowitzki und die Spielerinnen der aktuellen deutschen Frauennationalmannschaft.Für Reeh schloss sich damit ein Kreis: Nach einer erfolgreichen Karriere in der Bundesliga fand sie in einer Kreuzlinger Turnhalle zurück auf das Basketballfeld, schaffte den Sprung zurück in die deutsche Nationalmannschaft – und kehrte schliesslich als Europameisterin nach Kreuzlingen zurück. Dass ein lokaler Verein daran seinen Anteil hatte, ist für sie weit mehr als eine schöne Randnotiz. Ihre Geschichte zeigt, was Vereinsleben bewirken kann, wenn Menschen offen aufeinander zugehen und bereit sind, sich für andere einzusetzen.
Als Sportlehrerin weiss Reeh, welche Bedeutung Bewegung und Mannschaftssport gerade für Kinder und Jugendliche haben. Als Mutter kennt sie zugleich die Herausforderungen des Familienalltags und weiss, wie knapp die verfügbare Zeit oft ist. Umso mehr schätzt sie den Einsatz all jener, die sich ehrenamtlich in Vereinen engagieren. «Für Kinder ist es unglaublich wichtig, Sport zu treiben und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Gleichzeitig weiss ich als Mutter, dass Zeit heutzutage nicht auf den Bäumen wächst. Deshalb können wir für all die Menschen dankbar sein, die sich trotzdem ehrenamtlich engagieren – ganz gleich, in welchem Verein.»
Auch während der Weltmeisterschaft in Berlin wurde darüber gesprochen, welche Strukturen und finanziellen Mittel notwendig sind, damit sich der Frauenbasketball weiterentwickeln kann. Für Reeh sind Geld und Infrastruktur wichtig – sie allein reichen jedoch nicht aus. «Wir sprechen viel über bessere Strukturen und darüber, dass mehr finanzielle Mittel benötigt werden. Das ist richtig und wichtig. Aber ohne Menschen, die ihre Zeit, ihre Energie und ihr Herzblut einbringen, funktioniert kein Vereinswesen.» Deshalb wünscht sie sich, dass sich auch in Kreuzlingen künftig noch mehr Menschen für den Sport und die örtlichen Vereine engagieren. «Ich hoffe, dass der STV Basket Kreuzlingen nicht nur sportlich erfolgreich ist, sondern auch in seinen einzelnen Mannschaften weiter wachsen kann. Dafür braucht es Unterstützung auf verschiedenen Ebenen – vor allem aber Menschen, die bereit sind, sich einzubringen.»
Von Jan Fantl