Matthias Elmer, Francesca Keller und Hans-Jörg Schoop, Leiter TKB-Geschäftsstelle Kreuzlingen (vl.), auf der Baustelle vor einem neuen Fassadenelement. ⋌Kurt Peter
23.09.2026 08:00
Eine Fassade als Leuchtturmprojekt
Das Kantonalbankgebäude an der Hauptstrasse ist in Sachen Kreislaufwirtschaft eine Pionierbaustelle
Die Thurgauer Kantonalbank lebt Nachhaltigkeit. Ein Beispiel ist die Sanierung der Fassade nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Elemente werden entfernt, recycelt und wieder eingebaut. Etappe für Etappe.
Kreuzlingen «An der Hauptstrasse steht eine der ersten Banken, die nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft saniert wird», eröffnete Francesca Keller, Mitglied der TKB-Geschäftsleitung die Medienkonferenz zur Sanierung des TKB-Gebäudes. Sie bezeichnete das Projekt als Leuchtturm. Und es sei der Ausdruck der TKB-Philosophie, dass ein schonungsvoller Umgang mit den natürlichen Ressourcen von der Bank gelebt werde. «Für uns hat Nachhaltigkeit in allen Bereichen eine grosse Bedeutung», sagte sie. Für die Sanierung der Kreuzlinger Geschäftsstelle bedeute dies, dass die Fassade mit nahezu 100 Prozent Recyclingmaterial saniert werde. Damit würden 832,5 Tonnen CO2 eingespart, was acht Millionen gefahrenen Autokilometern entsprächen. Und das lasse sich die Bank etwas kosten, sie investiere 9,5 Millionen Franken in die Sanierung, zehn Prozent mehr gegen über der herkömmlichen Methode. «Und kommt damit dem Ziel, bis 2050 die Treibhausgasemissionen auf netto null zu senken, näher».
Erscheinungsbilderhalten
Die Thurgauer Kantonalbank an der Hauptstrasse sei 1978 erbaut und 1988 aufgestockt worden. Das Gebäude umfasse die Geschäftsstelle, weitere TKB-Abteilungen und 13 Mietparteien, meist gewerblich genutzt. «Neben der Fassade entspricht vieles nicht mehr den heutigen Anforderungen. 16 Erdsonden sorgen für Wärme im Winter und Kühle im Sommer, die veraltete Haustechnik wird ersetzt», sagte Stephan Forster, Projektleiter Bau der TKB. Die Stadt habe Wert darauf gelegt, dass das ursprüngliche Erscheinungsbild der Fassade erhalten bleibe, führte er weiter aus. Die Dämmung erfolge nach den neuesten Erkenntnissen, die Waschbetonfassade werde durch Andeergneis ersetzt. Als «sportlich» bezeichnete er das Ziel, die Fassade innerhalb eines Jahres zu sanieren.
«Das ursprüngliche Konzept, alle entfernten Elemente zu recyceln und wieder einzubauen, konnte aus Rücksicht auf die Mieter leider nicht umgesetzt werden», so Stephan Forster weiter. Denn dafür wäre eine Bauzeit von zwei Jahren nötig gewesen. Es würden nur der notwendige Teil der Fassade erneuert, der Ursprung der Kreislaufwirtschaft sowie und eine Sanierung im laufenden Betrieb seien gegeben.
Recycelte Stoffe bevorzugt
Die Ziele der Kreislaufwirtschaft in der Schweizer Baubranche erläuterte Remo Kunz von der gpk fassadentechnik Aadorf. «Umbauten und Sanierungen verursachen deutlich weniger Umweltbelastungen und Treibhausgase als Ersatzneubauten», erklärte er. Der Schweizer Gebäudesektor sei insgesamt für rund 22 Prozent der nationalen CO2-Emissionen verantwortlich. «Ein Umdenken ist in Gang, Gebäude und Bauteile sollen möglichst lange erhalten und genutzt werden, wo neue Materialien erforderlich seien, sollten bevorzugt rezyklierte Rohstoffe eingesetzt werden. «Was an der TKB-Fassade entfernt wird, kommt zu 100 Prozent in den Kreislauf», so Remo Kunz.
Matthias Elmer, CEO Aepli Metallbau AG in Gossau, orientierte über Aluminium im Werkstoffkreislauf. Da die Fassadensanierung innerhalb eines Jahres erfolgen müsse, kämen bei der TKB Kreuzlingen Materialien aus dem Rückbau anderer Gebäude in der Schweiz zum Einsatz. «44 Tonnen Profile vom Gebäude wurden dem Recycling zugeführt und können wieder verwendet werden». Das habe eine sorgfältige Sortierung der Materialien und Vorbereitung für die Rückführung vorausgesetzt. Im Gossauer Werk wurde das Material verkleinert und gereinigt: «Zur optimalen Wiederverwendung braucht es einen hohen Reinheitsgrad». Und was in Kreuzlingen abmontiert worden sei, komme als vorgefertigte Elemente zurück.
Von Kurt Peter